Differential Einlaufen lassen? Macht das Sinn?

Differentiale müssen allerhand aushalten!

Einen Verbrennungsmotor lässt man einlaufen, damit alle bewegten Teile sich aufeinander anpassen – aber wie sieht es bei einem Differential aus?

Ein neues Differential ist eigentlich wie ein neuer Nitromotor! Wer jetzt mit „WAS???!?!??“ reagiert, der muss sich einmal zurückerinnern, als es sein letztes neues Fahrzeug das erste Mal auf die Strecke gestellt hat. Am Anfang, fährt das Auto nicht schlecht, aber auch nicht wirklich so, wie man es gerne hätte, das fällt einem beim Fahrzeugwechsel nicht so auf, da man sich ja schliesslich an das neue Gefährt gewöhnen muss.

5 Liter – und alles ändert sich…

Etwa nach 5 Litern bleibt das Fahrverhalten konstant und plötzlich reagiert das Fahrzeug auch auf Setupänderungen, wie man es hätte erwartet.

WARUM? Alle beweglichen Teile, wie Kardanwellen, Querlenker, Differentiale, Ritzel haben sich aufeinander „eingestellt“ und arbeiten so langsam ideal zusammen.

Neue Differentiale – neue Probleme

Differentiale müssen einiges aushalten! Ruckartige Richtungswechsel, plötzliches Hochdrehen, oder Blockieren gehören zum „Tagesgeschäft“ eines Differentials.

Neue Differentiale neigen gerne mal dazu, dass sie schlagartig blockieren, weil der Outdrive frisst, oder sie laufen nicht sauber, weil der O-Ring sich noch nicht angepasst hat. Das RESULTAT – ein seltsames Fahrverhalten, welches schlecht auszumachen ist.

Differentiale einlaufen lassen – hilft!

Der neue O-Ring ist gerade erst mit Silikonöl in Berührung gekommen und an der Lauffläche selbst läuft er noch trocken.

Gleichzeitig wird er von der Anlaufscheibe in seine Nut gepresst, denn dort soll er ja schliesslich bleiben, aber weil alles einfach noch nicht so richtig passt, läuft auch das Differential noch nicht besonders rund!

Der O-Ring drückt gegen die Shimscheibe und damit gegen das Zahnrad, was wiederum dazu führt, dass das Zahnflankenspiel kleiner wird, die Reibung steigt und Reibung sorgt für Verschleiß und Hitze!

Die so entstehende Hitze führt eventuell zum Versagen des falsch eingesetzten Schmierstoffs und der Outdrive fängt das fressen an. Gleichzeitig steigt der Druck im Differential und damit potenzieren sich die Probleme weiter…

 

Wie lasse ich mein Differential einlaufen?

Es gibt mehrere Möglichkeiten:

  • Drehmaschine (wie im Video)
  • Bohrmaschine (ACHTUNG!!!!)
  • im eingebauten Zustand (nicht ideal!)

Drehbank

Unten im Video sieht man, wie das Differential in eine Drehmaschine eingespannt und ein Outdrive blockiert wird. Bei dieser Variante sollte man die Temperatur mit Hilfe eines IR-Thermometers regelmässig checken!

Bohrmaschine

Wer keine Drehbank besitzt, kann das Differential auch in der Hand halten und den Outdrive in eine Ständerbohrmaschine einspannen.

ACHTUNG! VERLETZUNGSGEFAHR!!! Sollte der Outdrive fressen, kann es passieren dass sich das Zahnrad losreißt und wie ein Fräser zu Verletzungen der Handflächen führt!

Eingebauter Zustand

Im eingebauten Zustand wird das Fahrzeug zuerst auf beide Räder der linken Seite an den Boden gedrückt, während man leicht Gas gibt und anschließend auf der rechten Seite. Der Nachteil dieser Methode ist, dass man ohne Gefühl und große Kontrolle das Differential zu seiner Funktion zwingt!

Vorteil Einlaufvorgang bei Differentialen

Der Vorteil bei einem Diff Break-in liegt klar auf der Hand:

  • geringere Belastung
  • bessere Kontrolle
  • längere Standzeiten
  • sofortige Funktion im Fahrzeug

Ein oft übersehener Baufehler mit fatalen Folgen

Wie voll soll das Diff sein?
Die einen empfehlen eine Komplettfüllung, die anderen nur bis zur Hälfte…

Es ist mit Sicherheit auch eine Frage der Konstruktion, welche Füllweise die Ideale darstellt!

Was passieren kann wenn das Differential überfüllt ist, seht ihr im Video…

TIPP gegen fressende OUTDRIVES

Wir verwenden für die zuverlässige Schmierung der Outdrives das MOTOREX Bike Grease 2000.

Gelb fluoreszierendes Fett auf Kalzium-Basis mit bemerkenswerter und dauerhafter Schmierleistung. MOTOREX BIKE GREASE 2000 ist ein stark wasserabweisendes und extrem druckbeständiges Fett. Es bietet eine erhöhte Oxidations- und eine gute Alterungsbeständigkeit. Ideal für das Schmieren von Lagern, Radlagern, Gelenken und Steuersatz. Verhält sich neutral gegenüber Elastomeren und Dichtungen und verhindert galvanische Korrosion.